gutsmuths0


Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

von

Johann Christoph Friedrich

Gutsmuths

Erzieher zu Schnepfenthal

 

Buchhandlung der Erziehungsanstalt

Schnepfenthal

1796


 

Bewegungsspiele > Spiele des Beobachtungsgeistes und des sinnlichen Beurtheilungsvermögens > Ballspiele

Das deutsche Ballspiel

  1. Beschäfftigung der dienenden Parthey
  2. Geschäfft der herrschenden Parthey
  3. Regeln für die dienende Parthey
  4. Regeln für die Schläger
  5. Erste Abänderung: Dreyball
  6. Zweyte Abänderung: Freyball

D ieses noch nirgends bearbeitete Spiel verdient ganz vorzüglich eine genaue Beschreibung. Unterhaltend zu seyn, ist hier mein Zweck nicht; man suche diese trocknen Sachen zu verstehen, die Unterhaltung liegt in der Praxis.

Spielplatz: Man bezeichne auf ebenem Rasen den Anfangs und Endpunkt X und Y der Spielbahn, etwa 30 bis 40 Schritte von einander, so ist die Vorbereitung fertig; will man aber genauer seyn, so werden die beyden Linien A B und C D etwa 30 Schritt lang mit einem Stabe in den Boden gerissen und ihre Enden so wie auch die Stellen 4 und 5 mit Stäben bezeichnet. Hierdurch wird auch zugleich die Breite der Spielbahn bestimmet.

Die Linie A B heist das Schlag - C D aber das Fangemal .

Ball: Man macht ihn von sehr haltbarem wollenen Garne, ohne alle Zuthat, so fest und rund als möglich gewickelt, und mit durchnässten  weissem oder Dänischen Handschuhleder, so straff als möglich überzogen. Dieser Ueberzug wird nicht aus mehreren Stücken zusammengesetzt, sondern man nimmt dazu nur ein einziges, das beym Nähen nach und nach durch die Schere in 2 runde Klappen geschnitten wird, die durch eine Nath vereinigt werden, welche nicht ganz um den Ball geht. Ein guter Ball von 2 Zoll Leipz. im Durchmesser springt, stark niedergeworfen 25 Fuss hoch und ist neu fast wie Gummi elasticum. Auch erhält man sehr elastische Bälle, wenn man das locker gewickelte Garn so lange in Wasser legt bis es untergeht, dann den Ball davon äusserst fest wickelt, ihm flüchtig einen Ueberzug von Papier giebt, welches man mit Bindfaden darum bindet und dann diesen Knaul im Backofen so lange bäckt, bis das Papier dunkelgelb gesengt ist. Hierauf wird nach abgemachten Papier dem Knaul der obige Ueberzug gegeben. Die Bälle für die Ballhäuser werden von kleinen Stückchen wollenen Zeug gewickelt, mit weichem Bindfaden regelmässig umwunden und mit weissem Tuche überzogen. Die erste Art halte ich für die beste zu diesem Spiele.

Ballstock: (Racquette). Man hat Unrecht ein breites Holz dazu zu nehmen; denn es widersetzt sich der Luft und man kann daher nie so starke Schläge thun, als mit einem völlig run den, nach dem Griffende zu etwas verjüngten Stocke, der von einem jungen Fichtenstämmchen gemacht ist. Nur mit solchen ist man im Stande den Ball 80 bis 100′ hoch und bis an 100 Schritt weit zu schlagen. Das Griffende wird, um das Ausfliegen zu vermeiden, da, wo die Hand es umspannt, etwas ausgeschnitten, so dass am Ende ein kleiner Knopf stehen bleibt. Diese dünne geschnittene Stelle umwickele man entweder mit Bindfaden und überstreiche ihn ein Paarmal mit Leim, der nach dem Trocknen die nur wenig gefeuchteten Hände stark anhält, oder man versehe den Stab mit einem Riemen, durch welchen die Hand beym Anfassen greift.

Spiel: Auf unserm Platze versammelt sich eine Gesellschaft von 8, 10, 12 und mehrern Personen. klein und gross durch einander. Freylich wird das Spiel weit angenehmer, wenn alle Fertigkeit darin haben. Die zwey geschicktesten Spieler werden zu Anführern angenommen, und diese haben die Anordnung des Spiels zu besorgen, kleine Streitigkeiten zu schlichten u. s. w. Ihr erstes Geschäfft ist es, die Gesellschaft in zwey Partheyen zu theilen, die sich in Spielfertigkeit ziemlich gleich sind. Diess geschieht nach Anhang I. Sind so beyde Partheyen gemacht, so muss nun noch durch den Wurf eines Geldstückes (Anhang I. 2.) entschieden werden, welche von beyden die Herrschende und welche die Dienende seyn, das heisst, welche das Recht haben soll, den Ball zu schlagen , oder aufzuwarten . Hierauf nimmt das Spiel selbst seinen Anfang. Beyde Partheyen sind unaufhörlich gegen einander in Arbeit; die Herrschende sucht stets herrschend zu bleiben, und die Dienende jener den Schlag abzugewinnen. Diess ist der Hauptinhalt des Spiels; ich will ihn jetzt erst in Rücksicht auf jede Parthey etwas mehr entwikkeln und dann die Regeln desselben nachholen.

Beschäfftigung der dienenden Parthey

Wir nehmen hier 6 Personen für jede Parthey an. Der Anführer stellt sich und seine Gefährten beym Anfange des Spiels oder, nachdem seine Parthey den Schlag verloren hat, jedesmal vom Neuen in die Plätze 1. 2. 3. 4. 5. 6. — die besten in 1. 2. 3. 6; denn die Seitenplätze können allenfalls weniger gut besetzt seyn. 1 und 2 müssen gut werfen, 3 und 6 den Ball gut fangen können.

Die Person in 1 heisst der Aufwerfer ; er muss jedem Schläger den Ball zum Fortschlagen aufwerfen. Zu diesem Ende stellt er sich 2 Schritte vor dem Schläger, der in E ist, und wirft den Ball in der Mitte zwischen sich und jenem perpendiculär etwas über die Kopfhöhe aufwärts. Indem der Ball wieder zurückfällt, muss ihn der Schläger aus der Luft fortschlagen. Alle übrigen Dienenden in 2. 3. 4. 5. 6. müssen der herrschenden Parthey den Ball immer schnell ins Schlagmal schaffen, folglich beständig bald links, bald rechts, bald rückwärts, bald vorwärts laufen und springen, um den Ball zu erhaschen, und dem Aufwerfer zu zuwerfen. Alles das muss sehr schnell und flink von statten gehen, jeder muss daher richtig zuwerfen und fangen können, links, rechts, mit beyden Händen und in allerley Lagen des Körpers selbst im vollen Laufen. Der Körper gewinnt bey diesem Gefchäffte Geschäffte nach und nach sehr viel an Fertigkeit, Biegsamkeit und Stärke.

Unter der Verrichtung dieser Dienste ist es aber die Hauptabsicht der dienenden Classe, sich vom Dienste zu befreyen, d. i. den Schlag zu gewinnen . Diess kann geschehen a ) wenn ein Dienender den geschlagenen Ball aus der Luft fängt. b ) Wenn er nach einem Schläger, der von X nach Y oder zurückläuft, mit dem Balle wirft und ihn trifft. c ) Wenn er den Ball in das Schlagmal X zu der Zeit schaffen kann, wann daselbst kein Schläger gegenwärtig ist. — Die beyden letzten Fälle werden in der Folge deutlich werden.

Geschäfft der herrschenden Parthey

Sie geniesst das Vergnügen den Ball zu schlagen; aber jeder Schlag muss von jedem Schläger erst dadurch erkauft werden, dass dieser aus dem Schlagmale X nach dem Fangmale Y hin und zurückläuft.

Da er diess aber nicht kann, so lange der Ball in den Händen irgend eines Dienenden ist, der ihn beym Laufen damit zu werfen sucht: so muss er entweder selbst den Ball fortschlagen, oder wenn er ihn verfehlt, so lange auf die Stelle X treten und daselbst warten, bis einer der folgenden Schläger den Ball fortschlägt und ihn dadurch löst ; dann erst kann er fortlaufen. Kommt er nach Y und der Ball ist noch immer nicht in der Nähe, so kann er auch gleich wieder nach X laufen. Im entgegen gesetzten Falle aber bleibt er hinter Y stehen, bis ein guter Schlag geschiehet, der ihn wieder herein nach X löst.

Es ist oft der Fall, dass von allen Schlägern nur noch ein einziger im Schlagmale ist, indem die andern schlecht geschlagen, oder den Ball ganz verfehlt haben und noch in X oder Y zum laufen stehen. Dieser einzige noch übrige Schläger heist dann der Löser , weil er die andern lösen muss. Er hat das Recht drey Schläge zu thun, da man es sonst immer nur zu einem hat.

Wenn der Löser ein schlechter Schläger ist, so thut er seine 3 Schläge oft, ohne den Ball zu treffen; geschieht diess wirklich, ohne dass von denen bey Y stehenden sich einer durch List und Schnelligkeit ins Schlagmal arbeitet: so ist der Schlag verloren , weil der Ball im Male liegt, ohne dass daselbst ein gelöster Schläger ist. Hierauf müssen es die draussen stehenden Schläger nicht ankommen lassen, sondern sich mit List und Schnelligkeit wagen, Jrgendeinen irgendeinen ins Schlagmal zu bringen, indem einige zu gleicher Zeit und von verschiedenen Seiten nach X zu laufen, und dadurch die Aufmerksamkeit der Dienenden zerstreuen. Aber so viel sichs thun lässt, muss immer darauf gesehen werden, dass der Löser ein guter Schläger sey, der den Ball nicht oft verfehlt. Beym Anfange des Spieles, wo die Ordnung des Schlagens noch nicht bestimmt ist, lässt daher der beste alle Andere vor sich schlagen und bleibt zuletzt, um allenfalls lösen zu können. Da aber im Fortgange des Spiels das Schlagen sich nach der Ordnung richtet, in welcher man früher oder später von Y nach X ankommt: so muss die herrschende Parthey dann stets dafür sorgen, dass von mehrerern Hereinkommenden der beste Spieler der letzte sey, damit er Löser werde. Z. B. a. b. c. drey schlechte und d. ein guter Spieler wären draussen bey Y, es geschähe ein Schlag, wodurch sie gelöst würden, so muss d jene 3 zuerst ins Mal X lassen und selbst einen Augenblick später anlangen. Oder: jene a b c wären bey Y und d. e. f. drey gute Schläger wären noch zum Schla gen in X, so dürfen a. b. c. wenn ein Schlag geschiehet nicht hinein laufen, sondern sie müssen warten, bis einer von den 3 bessern erst heraus kommt, welcher denn beym nächsten Hereinlaufen der Letzte bleibt, um in der Folge Löser werden zu können.

Der Löser muss sich hüten gleich auf den ersten den besten seiner Schläge zulaufen; er müsste denn mit Gewissheit sehen, dass die draussen stehenden Schläger von Y hereinkämen, ehe der geschlagene Ball wieder ins Mal geschafft werden könnte; denn liefe er auf einen kleinen Schlag fort, und die Dienenden schafften den Ball eher ins Mal, als die draussen stehenden hereinkämen: so wäre der Schlag verloren. Siehe p. 6, unter c) Jetzt werden folgende Regeln für die Spielenden verständlich seyn.

Regeln für die dienende Parthey

a ) Aufwerfer . Seine Rolle ist eine der wichtigsten, er muss sie gut verstehen. Er ist gleichsam die Feder des Spiels, er muss die Dienenden stets aufmuntern, ihm den Ball hereinzuwerfen, und die Schläger antreiben, nicht saumseelig zu seyn. Durch beydes muss er das Spiel lebendiger machen. Seine Aufmerksamkeit richtet sich 1) auf den jedesmaligen Schläger. Treibt dieser den Ball gewöhnlich schief über die Stellen 4 und 5 hinaus, so muss er sich beym Aufwerfen gegen ihn in eine Richtung stellen, wodurch diess verhindert wird. — Je besser er aufwirft und sich hierbey nach dem Wunsche eines jeden bequemt, desto häufiger geschehen gute Schläge, und desto leichter können sie folglich von seinen Mitspielern gefangen werden. 2) Auf den Ball. Oft trifft ihn der Schläger nur im Viertel oder Achtel und prellt ihn nur leicht in die Höhe, dergleichen Bälle muss er fangen, um den Schlag zu gewinnen. 3) Auf die Schläger überhaupt. Er muss sich bemühen, jeden der von X ausläuft, oder von Y zurückkommt, entweder selbst mit dem Balle zu treffen, oder der Person in 2, wenn sie dem Laufenden näher ist, den Ball zu zu werfen, damit diese ihn gegen den Laufenden gebrauche. Er muss ferner auf die Schläger sehn, die beym Auslaufen bey X stehen; treten sie nur mit einem Fusse über die Linie A B in die Spielbahn, so hat er das Recht, schon nach diesem Fusse zu werfen, um so viel mehr aber, wenn sie völlig darüber hinausschreiten. Trifft er sie, so ist der Schlag gewonnen. 4) Auf sich selbst. Er muss im Augenblicke des Schlagens einen guten Schritt zurücknehmen, damit ihn die Raquette nicht treffe.

b ) Die übrigen Dienenden haben 2 Gegenstände unablässig zu beobachten, nämlich den Ball und die laufenden Schläger. Jeder muss E schon wissen, wie weit dieser und jener Schläger und in welcher Richtung er den Ball treibt. Vermuthet er ihn in seiner Gegend, so muss er achtsamer seyn. Beym Aufsteigen des Balls berechnet er schon den Bogen und die Stelle des Niederfallens, er verlässt daher schnell seinen Platz, um sich dorthin zu begeben, und den Ball zu fangen, oder ihn hurtig zu erhaschen, um damit die Laufenden zu treffen, oder den Ball demjenigen seiner Gespielen zuzuwerfen, der dem Laufenden am nächsten ist, und daher am sichersten treffen kann. Wenn keiner von diesen Fällen möglich ist, so wirft er ihn dem Aufwerfer zu, um dem Spiele Fortgang zu verschaffen. Ferner sieht jeder Dienende darauf, ob die Seitenlinien A. C, und B. D. von den Laufenden überschritten werden, denn hierdurch wird der Schlag verloren und endlich darauf: ob etwa kein gelöster Schläger im Male ist, alsdann muss der Ball schnell ins Mal geworfen werden, dass wird durch den Ausruf den Ball ins Mal ! allen angekündigt, damit sie ihn schnell dahin werfen, ehe ein Schläger hinein läuft. Auch hierdurch verliert jene Parthey den Schlag.

Regeln für die Schläger

Keiner von ihnen darf unnöthiger Weise laufen, wenn der Ball in den Händen eines nahestehenden Dienenden ist; denn er kann leicht getroffen werden und den Schlag verlieren. Nur dann darf er es, wenn kein tüchtiger Schläger mehr im Schlagmale ist, der die andern lösen kann.

Jeder muss sich bemühen, den Ball stark und voll zu treffen, denn kleine Schläge werden zu leicht gefangen. Er muss den Ball in jede Gegend schlagen können, und die wählen, wo kein geschickter Fanger steht. Er schlägt den Ball nicht nach Y wenn seine Gespielen just dorthin laufen wollen, und umgekehrt, er schlägt ihn dahin, wenn sie von dorther herein kommen; denn dadurch entfernt er den Ball und die Möglichkeit getroffen zu werden von ihnen. Sehr starke und weit hinaus über 6 gehende Schläge thun indess dasselbe. — Wird nach ihm geworfen, so ist er schnell im Ausweichen, er läuft daher fast immer mit dem Gesicht hinter sich; und legt sich lieber schnell nieder, ehe er sich treffen lässt. Er wagt aber alles, um ins Mal zu kommen, wann der Löser nur noch einen Schlag hat. Beym Laufen muss er nicht vergessen innerhalb der Seitenlinien zu bleiben.

Ich mache den Schluss mit einem allgemeinen Gesetzbuche für dieses Spiel.

1. Dem Anführer jeder Parthey muss von seinen Gespielen Gehorsam geleistet werden. Wenn ein Streit entsteht, der darauf hinausläuft, ob der Schlag verloren oder nicht verloren sey, E 2 und man kann zu keiner Gewissheit kommen; so wird vom neuen darum gelooset.

2. Wer sich an den Boden legt, hat seiner Parthey, wenn er ein Schläger ist, den Schlag verloren, ist er aber ein Dienender: so muss seine Parthey nun doppelt gewinnen, ehe sie zum Schlage gelangt. Zur Strafe aber darf der, welcher sich legte, in der nächsten Parthie nicht schlagen, muss aber allemal mit dem Anführer hinaus und hereinlaufen.

3. Wechselt das Spiel zu oft, d. h. wird zu oft von der einen und andern Parthey gewonnen: so macht man aus, dass doppelt, ja dreyfach gewonnen werden müsse, ehe die Dienenden zum Schlagen kommen.

4. Den schlecht aufgeworfenen Ball braucht kein Spieler zu schlagen. Ist kein Schläger mit dem Aufwerfer zufrieden, so können sie bey den Dienenden darauf dringen, dass ein besserer gestellt werde. Kommt der Löser zum dritten Schlage, so kann er ohne zu Schlagen den Ball mit Fleiss fallen lassen, um ihn am besten der Hereinkommenden auf einen Augenblick aus den Händen des Aufwerfers zu bringen; doch darf er diess nur zweymal thun.

5. Die ganze Reihe von Schlägen, die eine Parthey gemacht hat, bis sie den Schlag verlohr, heist ein Gang . Um zu bestimmen, welche Parthey am Ende des ganzen Spiels gewonnen habe, muss jede die wirklichen Fortschläge des Balls laut zählen, und sie am Ende des dermaligen Ganges, d. i. wenn der Schlag verlohren ist, auf eine Tafel notiren. Kleine Schläge, die nicht über Mannshöhe gehen, werden nicht mitgerechnet.

Am Ende des Spiels, wenn beyde Seiten gleichviel Gänge gespielt haben, rechnet man die Schläge zusammen und erkennt derjenigen Parthey den Sieg zu, welche die meisten Schläge gethan hat.

6. Der Schlag wird verlohren

a ) Wenn irgend ein Dienender den geschlagenen Ball aus der Luft fängt. Hat er den Boden schon berührt, so ists ungültig; aber er kann von Personen und andern Gegenständen abgeprallt, noch gültig gefangen werden.

b ) Wenn irgend ein Schläger in dem Platze zwischen A. B. C. D. mit dem Balle geworfen wird, es sey unter welchen Umständen es wolle, doch kann der Aufwerfer nie gültig werfen, wenn er selbst innerhalb jenes Platzes ist. Er muss schlechterdings vor der Linie A B stehn; denn wenn ihm diess erlaubt wäre, so könnte er hinter jeden Schläger, der schlechter liefe als er, hersetzen, ihn einholen und treffen, wenn der E 3 selbe von X nach Y laufen wollte, um sich zu lösen.

c ) Wenn ein Dienender den Ball ins Schlagmal wirft zu der Zeit, wenn daselbst kein Schläger gegenwärtig ist.

d ) Wenn ein Schläger beym Laufen aus den Seitenlinien A C und B D läuft.

e ) Wenn ein lösender Schläger seine drey Schläge gethan hat, und nach dem dritten der Ball eher im Male liegt, als ein neuer Schläger daselbst anlangt. Dieser Fall stimmt mit c ) überein, und tritt besonders dann ein, wenn der dritte Schlag nicht getroffen wird und der Ball vor dem Male A B niederfällt.

f ) Wenn einer von der schlagenden Parthey den Ball angreift.

g ) Wenn ein Schläger den Ballstock mit über’s Mal in die Spielbahn nimmt, indem er nach Y laufen will.

h ) Wenn er nach vollbrachtem Schlage den Ballstock so eilfertig wegwirft, dass irgend einer seiner Gespielen getroffen wird.

i ) Wenn er ihn beym Schlagen aus der Hand fahren lässt.

7. Wenn der Schlag von der dienenden Parthey gewonnen wird; so hat der Gewinner das Recht zum ersten Schlage, ihm folgt der Aufwerfer , dann die andern willkührlich. Aber in der Folge des Spiels richtet sich die Ordnung des Schlagens nach der Reihe des Hereinkommens. Tritt dadurch bisweilen der Fall ein, dass ein schlechter Schläger beym Hereinkommen der Letzte ist, und folglich im nöthigen Falle lösen muss: so brauchen es die Dienenden nicht zu zu geben, dass er früher schlage, damit nur ein besserer zum Lösen komme.

8. Der Ball wird nie zugetragen, sondern jedem Mitspieler zugeworfen und dann aus der Luft gefangen.

Unter allen Arten von Jugendspielen ist dieses eines der vorzüglichsten, weil es mehrere Zwecke körperlicher Spiele erreichen hilft. Es gewährt viel Bewegung im Freyen, befördert die Ausbildung der Schnelligkeit, Geschwindigkeit und Kraft des Körpers; das Schlagen und Werfen giebt dem Arme Geschicklichkeit und Kraft, das häufige Laufen befördert die Schnelligkeit der Schenkel und Beine. Es erfordert viel Schnelligkeit dem geworfenen Balle auszuweichen. Das Augenmaass wird bey diesem Spiele in vieler Rücksicht geübt, bald um den aufgeworfnen Ball aus der Luft fortzuschlagen, bald um einen Laufenden damit zu werfen, bald um ihn aus der Luft wegzufangen, die er oft in Bogen von 70 Fuss Höhe und 80 Schritt weite durchschneidet. Es erfordert überdem stete E 4 Aufmerksamkeit und führt, für die nicht verweichlichte Jugend, so viel Vergnügen und Interesse mit sich, dass sie im Frühlinge fast jedes andere Spiel darüber vergisst.

Ich habe schon gesagt, dass diess Spiel von mehreren und wenigern Personen, ja schon von 4 Personen gespielt werden kann. Diese letzte Art, die man gewöhnlich Vierball nennt, ist weit angreifender, weil wenige Personen eben so viel dabey verrichten müssen, als oben 12. Von den Dienenden ist auch hier einer Aufwerfer , der andere steht draussen und ein Schläger wird gemeiniglich Löser des andern.

Erste Abänderung: Dreyball

So heist dasselbe Spiel, wenn nur von drey Personen gespielt wird. Es läuft zwar im Ganzen alles auf das vorige hinaus, ist doch aber in seiner Einrichtung abgehend. — Drey Knaben loosen unter sich, wer den Schlag erhalten soll. Die andern beyden dienen. Es sind also hierbey auch 2 Partheyen, nur arbeiten zwey Personen gegen einen Schläger. Die Entfernung von X nach Y wird höchstens nur auf 30 Schritt gesetzt. Der eine Dienende steht in Y der andere in X. Das Spiel geht an, der Schläger sey z. B. in X. Er hat das Recht zu 3 Schlägen und er kann auf jeden Schlag nach Y laufen, d. h. er braucht nicht alle 3 Schläge abzuwarten, son dern kann schon zum ersten oder zweyten Male, wenn er den Ball trifft, ablaufen: ja er kann fortlaufen, ohne den Ball geschlagen zu haben, nur ist er dann in Gefahr, von irgend einem der beyden Dienenden, der den Ball am schnellsten ergreift, geworfen zu werden. Kömmt er nach Y so geschieht hier ganz dasselbige. Der Dienende bey Y wirft den Ball auf, und er sucht durch einen Schlag sich wieder nach X zu verhelfen, So geht es von einem Male stets zum andern fort. Er verliert den Schlag wenn er sich werfen lässt, oder wenn er 3 Mal zuschlägt und den Ball nicht trifft, oder wenn sein Schlag gefangen wird, oder endlich, wenn er den Ballstock beym Laufen nicht mitnimmt, sondern ihn in dem Maale lässt, wo er eben geschlagen hat. Dagegen gewinnt von den Dienenden derjenige den Schlag, 1) welcher den Laufenden trifft, 2) welcher den Ball fängt, 3) der Aufwerfer, bey welchem der Schläger 3mal nicht getroffen hat, dieser Fall ist selten, denn der Schläger läuft lieber, als dass er zum dritten Male nach dem Balle schlüge. 4) Der Aufwerfer, in dessen Male der Ballstock liegen bleibt.

Zweyte Abänderung: Freyball

Zu diesem Spiele sind wenigstens 4 Personen nöthig; am angenehmsten ists aber, wenn 8 bis 12 es spielen. Die Gesellschaft sondert sich für E 5 einen Augenblick in 2, in Absicht auf Spielfertigkeit einigermassen gleiche Partheyen. Man lost um den Schlag Anhang I. 2. und das Spiel beginnt. Die Schläger vergleichen sich ohne Gezänk über die Ordnung, in welcher das Schlagen beginnen soll, so wie die Dienenden über die Plätze, wo sie sich hinstellen wollen. Das Spiel selbst ist dem oben beschriebenen deutschen Ballspiele ganz ähnlich, verlangt denselben Spielraum, dasselbe Schlag - und Fangemaal , nur macht man beyde weiter, folglich bis 50 Schritte von einander. Auch der ganze Gang des Spiels ist der Hauptsache nach derselbe, wer folglich das obige gut verstanden hat, dem brauche ich hier nur das abgehende anzugeben; und diess besteht in folgendem:

1) Obgleich die ganze Gesellschafft, wie ich vorhin gesagt habe, in zwey Theile getheilt ist, so entstehen dadurch doch keine zwey Partheyen, von denen jede ein Ganzes ausmacht und gemeinschaftlich gegen die andere handelt; sondern jeder Spieler hat hier nur für sich selbst zu sorgen, jeder sucht für sich das Recht zum Schlagen zu erwerben und zu erhalten, und jeder, der es verliert, bringt, sich nur ganz allein darum. Diess wird durch das folgende deutlich werden.

2. Vorschriften für die Schlagenden

a ) Jeder Schläger hat das Recht im Maale X dreymal nach dem Balle zu schlagen. Es hängt aber ganz von ihm ab, ob er nur ein- zweyoder wirklich drey Mal darnach schlagen will.

b ) Dieses Recht muss stets von Neuem dadurch erkauft werden, dass er von X nach Y läuft. Um diess zu können, ohne geworfen zu werden, wählt er den Zeitpunkt, wo er den Ball weit weggeschlagen hat, kurz, wo er dem Dienenden nicht gleich zur Hand ist, um damit zu werfen.

c ) Ist er erst draussen bey Y angelangt, so kann er frey wieder nach X herein gehen, d. i. keiner hat das Recht, ihn jetzt zu werfen. Von diesem Umstande, so wie von dem, dass man an keine Parthey gebunden ist, sondern bloss für sich handelt, hat das Spiel den Namen Freyball .

d ) Jeder Schläger steht bloss für sich selbst; wenn er daher in seinem Laufe mit dem Balle von den Dienenden getroffen, oder wenn der von ihm geschlagene Ball gefangen wird, oder wenn er den dritten Schlag wagt und den Ball nicht trifft, und endlich wenn er den Ballstock beym Laufen mit sich fort aus dem Maale nimmt: so hat er den Schlag verloren; aber die übrigen Schläger geht diess nichts an. Derjenige Schläger, welcher auf eine der obengenannten Arten den Schlag verloren hat, sinkt zum Dienste herab und bekommt die hinterste Stelle hinter Y.

3. Vorschriften für die Dienenden

Ich habe schon gesagt, dass sich die Dienenden beym Anfange des Spiels über ihre Plätze vergleichen müssen, und diess ist sehr leicht, denn es hängt nicht von den Plätzen allein ab, ob man den Schlag bald erwerben werde, sondern vorzüglich von der Thätigkeit und Fertigkeit des Spielers. Indess wird die Stelle des Aufwerfers für die beste gehalten. Man muss es also anfangs durchs Loos entscheiden, oder geradezu einen dazn dazu annehmen. Die draussenstehenden Dienenden stellen sich hinter einander in der Linie von X über Y hinaus, (doch steht es jeden frey, seitwärts zu treten) jeder etwa 10 Schritte von dem andern ab. Die Pflichten und Rechte der Dienenden sind:

a ) Jeder muss sichs angelegen seyn lassen, den geschlagenen oder geworfenen Ball schnell wieder ins Maal X dem Aufwerfer zu zuwerfen. Es ist billig, dass immer derjenige, welcher dem geschlagenen oder geworfenen Balle am nächsten ist, diess thue; denn hierdurch gewinnt das Spiel schnellern Fortgang. Die Pflicht des Aufwerfers ist sein Amt schnell zu thun, und die Schläger und übrigen Dienenden anzutreiben, recht schnell zu seyn.

b ) Jeder Dienende, welcher draussen steht, gewinnt dem Schläger das Recht des Schlages ab, wenn er entweder den Ball fängt, oder wenn er ihn im Laufen von X nach Y mit dem Balle wirft. Es kann ihn hierbey jeder Dienende, der sich des Balls am ersten bemächtigt auf alle Art verfolgen. Der Aufwerfer kann den Schlag nicht nur auf eben die Art verdienen, sondern er erhält ihn auch, wenn der Schläger den Ballstock beym Laufen mit fortnimmt, oder wenn sein dritter Schlag den Ball verfehlt.

c ) Jeder Dienende, der den Schlag gewonnen hat, tritt unter den Schlägern in die Stelle dessen, der ihn verlohr; so bleibt die Ordnung unter ihnen ununterbrochen. Wenn von den Dienenden der Aufwerfer den Schlag gewinnt, so kömmt der erste Draussenstehende an seine Stelle; gewinnt aber einer von den Letztern, so erhält seinen Platz derjenige, welcher zunächst hinter ihm steht, alle folgenden rücken um eine Stelle vor und die hinterste erhält der Schläger, welcher eben verlohr.

Alles übrige von diesem Spiele ergiebt sich gelegentlich von selbst.